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Wanna be startin' something - MJ, eine neue Musicalsensation zwischen Intimität und Expression

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Ein einzelner Spot in der Mitte der Bühne - präzise, satt, fokussiert, intim. Tausende Augenpaare, in denen sich Vorfreude, Erregung, Begeisterung und Ungläubigkeit spiegeln. Ein Moment der Stille, der von dem plötzlich einsetzenden Klatschen und Johlen der Menschenmasse durchbrochen wird. Die Welt scheint für einen kurzen Augenblick, in dem sich alle Farben der Gefühle vermischen, stillzustehen - Ekstase, Melancholie, Furcht, Vertrauen, Euphorie, sie alle werden zum Erzähler einer Geschichte, die auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ihre eigenen Worte finden. Und dann öffnet sich der Bühnenboden, die Schwerelosigkeit spielt die ersten Takte und plötzlich ist er da, der King of Pop. Seit November 2024 ist die deutsche Musicalmetropole Hamburg um eine Musicalneuheit reicher. Seit 2022 erobert die Geschichte rund um das Leben und Schaffen Michael Jacksons bereits den Broadway und avancierte dort in den vergangenen Jahren zu einem Publikumsmagneten. Nun ist die bild- wie stimmgewaltig...

Schaurige Imposanz und pyschologisches Feingefühl in der Fleet Street - "Sweeney Todd", ein kunstvolles Opus der Atmosphärik

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Die Nacht fährt ihre Krallen aus und Dunkelheit senkt sich über die Gassen Londons, in den Ecken lauern finstere Gestalten und aus den Schatten schälen sich verarmte Kreaturen, deren Schreie sich zu einem qualvollen Lied der Hoffnungslosigkeit und des Wahnsinns vereinen. Hier und da flanieren vereinzelt gut betuchte Paare durch die rußgeschwängerte Nachtluft - stattlich und erhaben, doch innerlich blind für all das Leid, das sie hier inmitten der Kakofonie der Großstadt umgibt. Wohin man auch sieht, Wohlstand und Armut, Übermaß und Tristesse reichen sich die Hand zu einem kraftvollen Tanz, bei dem die Rollen in puncto Führung ganz eindeutig verteilt zu sein scheinen. Doch bei genauerer Betrachtung stört ein Ausschnitt dieses Bild der befremdlich etablierten Ordnung zweier Tanzpartner, die sich in der Abhängigkeit voneinander umrunden, denn ein Kamin in der Londoner Fleet Street durchbricht eben jenen Akt der bizarren Vereinigung mit einer düsteren Rauchsäule, die sich Nacht für Nacht i...

Klangvoller Märchenzauber für Jung und Alt - Humperdincks "Hänsel und Gretel", ein zauberhafter Klassiker in der Oper Wuppertal

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Ein leises Knacken im Geäst, die sanfte Stimme des Windes, die mit dem bunten Laub der Bäume spielt, ein liebliches Zwitschern aus einem gut verborgenen Vogelnest hoch in den Wipfeln - all diese flüsternden Geräusche inmitten der sonst so tönenden Stille lassen den Wald in einem zaghaften, ja rundum friedvollen Licht erscheinen. Der leise Ruf des Käuzchens verwebt sich mit dem eifrigen Scharren eines Dachses zur Symphonie der Natur vor dem Hintergrund einer verschlafenen Kulisse. Lediglich dem ganz aufmerksamen Zuhörer bleibt ein kaum zu vernehmendes, beinahe flüchtiges Störgeräusch inmitten des sonst doch so herrlich komponierten Liedes der Natur nicht verborgen, das aus der Ferne noch so unscheinbar klingt und mit jedem weiteren Schritt in den Wald doch das anfänglich nur als unbestimmtes Gefühl aufflammende Unbehagen wachsen lässt. Es ist ein schrilles, gespenstisch anmutendes Lachen, auf dessen gellenden Klang ein einziger Satz folgt: "Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert ...