Himmlische Melodien des Herzens - "Sister Act", ein wahrhaft göttlicher Theaterspaß
Freundschaft ist ein Bund, der Menschen in ihrer Einzigartigkeit, ja manchmal gerade in ihrer Gegensätzlichkeit vereint und sie als in der Menschlichkeit verbundene Gleichgesinnte den Geschmack des geteilten Glücks erfahren lässt. Albert Einstein beschrieb den Wert der Freundschaft einst wie folgt: "Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast." Freunde können so vieles sein - Weggefährte, Seelentröster, Kraftquelle, Schutzengel oder eben auch Familie.
"ShowSlot" schickt in diesem Jahr wieder einmal eine Produktion auf Tour, die den Bund der Freundschaft und des Zusammenhalts in all seiner Stärke zelebriert und von menschlichen Beziehungen als Samen einer in Mut, Selbstvertrauen und Dankbarkeit erwachsenden Pflanze erzählt.
Seit "Sister Act" in den 90er Jahren die Kinoleinwand erobert hat, ist der Streifen aus jener Riege kultiger Filme, die sich in die Erinnerungen und Herzen zahlreicher Menschen eingebrannt haben, nicht mehr wegzudenken. Die amerikanische Komödie sorgt in ihrer Spritzigkeit noch heute für Begeisterung bei Jung und Alt und präsentiert sich in all ihrem Witz und Charme als zeitloser Filmspaß, der für gute Laune pur sorgt. Kein Wunder also, dass die Geschichte einige Jahre nach der Filmpremiere auch Einzug in die Musicalszene hielt und Verarbeitung in einem theatralen Arrangement fand. Seit 2010 ist das Musical ein absoluter Dauerbrenner auf deutschsprachigen Bühnen und erfreut sich in seiner künstlerischen Raffinesse großer Beliebtheit.
Am vergangenen Donnerstag feierte die Tourproduktion von "ShowSlot" große Wiederaufnahmepremiere im Theater am Marientor und eröffnete damit eine neue Spielzeit für den göttlichen Theaterspaß, im Rahmen dessen das Publikum eine humorvolle, beschwingte Reise zwischen Abenteuer und Menschlichkeit erwarten und die Musik als Sprache des Himmels entdecken darf.
Das Musical erzählt die in filmischer Form bekannt gewordene Geschichte rund um ein waghalsiges Versteckspiel, welches den Blick für die Tiefe und Bedeutsamkeit echter menschlicher Beziehungen voll Vertrauen und Mitgefühl schärft.
Sängerin Deloris van Cartier wartet bereits seit Langem vergeblich auf ihren großen Durchbruch. Mehr schlecht als recht hält sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und verdingt sich dabei in fragwürdigen Etablissements. Als sie eines Abends mitansehen muss, wie ihr zwielichtiger Liebhaber kaltblütig einen Menschen ermordet, gerät nicht nur ihr aus der Naivität geborenes Weltbild, sondern auch ihr Leben selbst in Gefahr. Auf der Flucht vor dem gewalttätigen Nachtclubbesitzer und seinen Kumpanen muss Deloris untertauchen und eine neue Identität annehmen. Da kommt die Hilfe ihres ehemaligen Mitschülers und heutigen Polizeibeamten Eddie Fritzinger gerade recht. Doch leider nimmt der Polizist bei der Auswahl seines Verstecks keine Rücksicht auf Deloris' Wünsche, die mindestens ein Luxushotel mit Sauna inkludieren. Kurzerhand befördert er sie in ein nahegelegenes Kloster, in dem sie die Zeit bis zur Gerichtsverhandlung als vermeintliche Ordensschwester verbringen soll. Ein Plan, der der flippigen Sängerin so gar nicht passt - und auch die Oberschwester ist nach einem ersten Zusammentreffen mit der extrovertierten Erscheinung keineswegs begeistert, sieht sie doch ihre mühevoll aufrechterhaltene Ordnung und Sittlichkeit im Kloster durch Deloris' Auftauchen bedroht. Wie soll man schließlich einen schillernden Paradiesvogel verstecken, der die heiligen Mauern der Kirche sogleich mit lautem Geschrei zum Beben bringt? Doch Deloris bleibt nichts anderes übrig, als schweren Herzens das klösterliche Habitat überzustreifen und ihren neuen Platz an der Seite ihrer vorübergehenden Glaubensschwestern einzunehmen. So beginnt ein abenteuerliches Versteckspiel, das Deloris zunehmend mit der Frage danach konfrontieren soll, was im Leben eigentlich wirklich von Bedeutung ist. Getrieben von der bedrohlichen Verfolgungsjagd entspinnt sich eine bewegende Geschichte rund um Freundschaft, Verletzlichkeit sowie Menschlichkeit, die von der Suche nach dem eigenen Platz im Leben kündet.
Jahlisa Norton gebührt für ihre eindrucksvolle Darbietung in der Rolle der extrovertierten, willensstarken "Deloris van Cartier" größer Respekt - hat man doch selten das Glück, ein solches Ausnahmetalent live auf der Bühne erleben und die einer solchen Performance voller künstlerischer Exzellenz anhaftende Theatermagie hautnah spüren zu können. Die Darstellerin verkörpert die Rolle mit der nötigen Exzentrik sowie dem die Figur umhüllenden Verve und erweckt mit ihrer ausgefeilten Darbietung eine selbstbewusste, energiegeladene Persönlichkeit zum Leben, die nicht gerne die Zügel aus der Hand gibt. Die arbeitssuchende Sängerin, die versucht, sich über Gelegenheitsjobs in Nachtclubs sowie vermeintliche Beziehungen mit zweifelhaften Männern über Wasser zu halten, stellt an die Welt hohe Erwartungen und muss in ihrem naiven Blick auf Reichtum und Ruhm doch immer wieder ernüchtert feststellen, dass das Leben für sie andere Pläne bereithält. Jahlisa gelingt es hervorragend, die großen Träume der Protagonistin vom umjubelten Dasein eines Bühnenstars transparent werden zu lassen und das Publikum mit einer exzentrischen, schrillen Frauenfigur zu konfrontieren, die mit ihrem losen Mundwerk sowie ihrem fortwährenden Versuch der Selbstinszenierung immer wieder aneckt. Exzellent bringt die Schauspielerin diesen starken Charakter auf die Bühne und durchlebt dabei über den Abend hinweg eine große figurale Entwicklung, vor deren Hintergrund Deloris zunehmend an Empathie gewinnt und erkennt, was wirklich im Leben zählt. Mit einer gehörigen Portion Feingefühl reichert die Künstlerin ihre Figurenzeichnung mit einer sich immer stärker bahnbrechenden Vulnerabilität an und schenkt der Charakterdarstellung dabei zugleich doch eine herrliche Humoristik, die im Rahmen frecher Sprüche und schlagfertiger Auftritte an Plastizität gewinnt.
Stimmlich brilliert Jahlisa mit einer kraftvollen Darbietung, deren musikalische Schönheit sich aus einer Symbiose von präziser Intonation und hingebungsvoller Gestaltung speist. Die strahlende Soulstimme der Sängerin trägt die musikalischen Nummern der Show mit Leichtigkeit und beschert dem Publikum dabei so manchen musikalischen Gänsehautmoment, der das volle gesangliche Talent der Künstlerin offenbart.
Femke Soetenga weckt die Begeisterung des Publikums mit ihrer phänomenal ausgearbeiteten Darstellung der gestrengen "Mutter Oberin", im Rahmen derer sie spielerische Agilität und Präzision mit stimmlicher Brillanz zu vereinen weiß. Mit ihrer ausdrucksstarken Darbietung spielt sich die Künstlerin dabei in Windeseile in die Herzen der Zuschauer und nimmt die Bühne mit ihrer außergewöhnlichen Ausstrahlung für sich ein, sodass sich das Publikum dem wachsamen Blick sowie der kraftvollen Präsenz der Mutter Oberin ebenso wenig entziehen kann wie die gläubigen Schwestern selbst. Präzise bedient sich Femke ihres handwerklichen Repertoires und setzt Mimik und Gestik gekonnt ein, um einen ganz individuellen Habitus der Figur zu kreieren, der dem Charakter eine bemerkenswerte Authentizität verleiht. Bereits kleine Regungen in der Mimik genügen, um non-verbal eine starke figurale Geschichte zu erzählen. Damit verbunden beweist die Darstellerin zudem ihr großes komödiantisches Talent, indem sie die humoristischen Spitzen der Figurenzeichnung herausragend ausspielt und dabei die Pointen präzise herausstellt, sodass eine charakterstarke Figur mit trockenem Humor Gestalt annimmt. Über den Abend hinweg spiegelt Femkes Spiel ausgezeichnet die strenge Fassade der nach Ordnung und Ruhe strebenden, konservativ eingestellten Nonne wider und legt dabei zugleich auch den sensiblen Kern der Figur offen. Immer wieder blitzen in der Darstellung die weichen, verletzlichen Momente eines Charakters auf, der mit Argusaugen sowie einem strengen Regiment pflichtbewusst über das Kloster wacht und damit bei genauerem Hinsehen eigentlich seine tiefe Verbundenheit sowie sein Verantwortungsgefühl gegenüber den Schwestern zum Ausdruck bringt. Ihre Vollendung erfährt die bravouröse Darbietung in der fabelhaften gesanglichen Leistung, vor deren Hintergrund sich Femkes warme, kraftvolle Stimme über den Theatersaal legt und die Songs klangvoll erstrahlen lässt.
In der Rolle der "Schwester Mary Robert" steht Janina Maria Wilhalm auf der Bühne, deren darstellerische Qualitäten für Begeisterungsstürme in den Zuschauerreihen sorgen. Mit ihrem feinsinnigen Spiel sowie ihrem aufmerksamen Blick für die figuralen Emotionen vermag es die Künstlerin vortrefflich, die bewegende Geschichte des Charakters zu offenbaren und die Vulnerabilität der Figur ebenso wie die charakterliche Stärke transparent werden zu lassen. Dabei gelingt es der Darstellerin exzellent, die große charakterliche Entwicklung über die Vorstellung hinweg authentisch auszugestalten und die Figur der "Mary Robert" auf eine kleine Reise durch ihre Ängste und Unsicherheiten hin zu ihren gut gehüteten Wünschen und tiefen Sehnsüchten zu schicken. Versteckt sich die junge Frau zunächst noch verschüchtert in der letzten Reihe und sucht vergeblich nach dem Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, gewinnt sie an der Seite von Deloris zunehmend an Selbstbewusstsein und findet im wahrsten Sinne des Wortes zu ihrer eigenen Stimme. Janina macht diesen Entwicklungsprozess in mühevoller Kleinarbeit darstellerisch transparent und umzeichnet das innerliche Wachstum der Figur in einem ergreifend wirklichkeitsgetreuen Spiel. Besondere künstlerische Kraft gewinnt die Darbietung jedoch dank des grandiosen gesanglichen Auftritts, der die stimmliche Fulminanz der versierten Sängerin offenlegt. In beeindruckender Beltmanier schmettert sie die herausfordernden Partien und stellt dabei ihre beeindruckende tonale Range unter Beweis.
Linda Rietdorff erobert mit ihrer spielfreudigen, dynamischen Darstellung der agilen wie lebenslustigen "Schwester Mary Patrick" die Herzen des Premierenpublikums und sorgt dank ihres feinen Gespürs für komödiantische Akzentuierungen für so manchen Moment voll herzhaften Lachens im Theatersaal. Die Schauspielerin verkörpert die Rolle mit einem sonnigen Grundton und offenbart eine spielerische Leichtigkeit wie Raffinesse, die der Figur der quirligen Nonne hervorragend zu Gesicht stehen. Doch Lindas Darbietung zeichnet sich nicht nur durch die Betonung einer figuralen Lebendigkeit aus, nein, die Künstlerin vermag es zugleich bravourös, ebenso den sensiblen, gutmütigen Kern der Ordensschwester offenzulegen. Hingebungsvoll jongliert die Darstellerin mit den humorvollen Spitzen der Rolle und konturiert dabei doch mit viel Fingerspitzengefühl und spielerischem Geschick eine glaubwürdige, nahbare Bühnenpersönlichkeit, sodass die Komödiantik der Figurenzeichnung zu keinem Zeitpunkt droht, in Albernheit umzuschlagen - ganz im Gegenteil. Linda kreiert einen warmherzigen Charakter, der nur so vor Euphorie wie Energie strotzt und dabei doch eine sehr feinfühlige Seite in sich trägt, die insbesondere mit Blick auf die zwischenmenschliche Verbindung zu ihren Schwestern deutlich wird. Gesanglich wie schauspielerisch lässt sie den Theatersaal in einer figuralen Posivität erstrahlen, die dem Zuschauer sogleich ein Lächeln auf die Lippen zaubert, und überzeugt mit einer erstklassigen Intonation.
Die Rolle des gutmütigen Polizisten "Eddie Fritzinger" verkörpert Marcel Weber mit sichtlicher Spielfreude sowie künstlerischem Esprit und kreiert dabei eine warmherzige Interpretation eines eher introvertierten jungen Mannes, der in Sehnsüchten nach dem Ausbruch aus seiner von außen zugedachten Rolle des harmlosen, zaghaften "Teddy-Eddies" schwelgt. Der junge Polizist hat mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen und träumt doch stets davon, endlich seine wahre Stärke und Größe offenbaren und damit den Respekt seiner Mitmenschen gewinnen zu können. Fabelhaft umreißt der Darsteller eine farbenfrohe Zeichnung einer in ihren Zweifeln sowie dem manchmal doch recht unbeholfen, ja, beinahe schon tollpatschig anmutenden Auftreten gefangenen Figur und macht es dem Publikum mit seiner ausgefeilten Rolleninterpretation sehr leicht, von Beginn an mit dem Charakter zu sympathisieren und seine Entwicklung gespannt und voller Hoffnung auf einen Ausbruch aus den inneren Zwängen zu verfolgen. Marcel mimt die Figur mit einer wunderbaren Mischung aus Feingefühl und Verletzlichkeit sowie mit einer die unfreiwillige Situationskomik der Rolle abbildenden Humoristik, deren Darstellung die Qualitäten des Künstlers im Spiel mit komödiantischen Pointen transparent macht. Insbesondere im Rahmen seiner Intonation des Songs "Tief in mir" weiß der Darsteller aus den Vollen seines humoristischen Talents zu schöpfen und das Publikum mit einer narrativ wie komödiantisch starken Liedinterpretation zu begeistern.
Als skrupelloser Gangster "Curtis Jackson" steht Alexander di Capri auf der Bühne, dem es dank seiner großen spielerischen Qualitäten fantastisch gelingt, die antagonistischen Züge des Charakters in einer durchdachten Zeichnung des brutalen Ganoven aufleben zu lassen. Dem Künstler haften dabei eine starke Präsenz sowie eine figural bedingte düstere Aura an, die dem Charakter die nötige Verruchtheit und Hemmingslosigkeit verleihen. In dem Spiel des Darstellers offenbart sich eine ganz eigene, spezifische Körperlichkeit der Figur, die von einer präzisen mimischen wie gestischen Darbietung getragen wird und die Theaterbesucher auf erschreckend glaubwürdige Weise mit einem kaltblütigen Mann aus dem dunklen Milieu konfrontiert, der vor nichts und niemandem zurückschreckt. Auf gespielt charmante Art verdreht Curtis seinen leichtgläubigen Verehrerinen den Kopf, während seine Gedanken zugleich schon wieder den nächsten teuflischen Plänen nachhängen. Besondere Wucht erlangt Alexanders Darbietung im Zusammenspiel mit den Bühnenpartnern Andres Vercoutere, Dominik Tiefgraber und Benjamin Hauschild, die dem gefährlichen Nachtclubbesitzer in den Rollen der naiven Handlanger "TJ", "Pablo" und "Joey" folgen und die skurrile Ganovenbande mit ihrem Witz komplettieren. Hervorragend interagieren die vier Künstler auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und werfen sich dabei in ihrem ausgeklügelten Spiel gegenseitig die Bälle zu, wobei Timing und Präzision als handwerkliche Säulen eines vortrefflichen Zusammenspiels dienen.
Die Show lebt von der Kraft einer brillanten Ensembleleistung und verlangt nach einem Zusammenspiel vieler Künstlerinnen und Künstler, die in ihrer Darbietung ganz unterschiedliche Bühnenpersönlichkeiten mit individuellem Kern und charakterlicher Farbigkeit aufleben lassen. Entsprechend kann die Produktion trotz der Anwesenheit ausgewählter Hauptrollen nicht auf einige wenige Rollenkonfigurationen reduziert werden, sondern muss vielmehr als Ensemblestück verstanden werden, das im Angesicht spielerischen Facettenreichtums überzeugt.
So entpuppt sich beispielsweise Sylvia Moss als mehr oder minder heimlicher Publikumsliebling, der die Rolle der eigenwilligen, charakterstarken "Mary Lazarus" mit großem spielerischen Witz und darstellerischer Akkuratesse ausarbeitet und so eine expressive, abgeklärte Bühnenfigur kreiert, die mit ihrer Selbstsicherheit, ihrem trockenen Humor sowie ihrer Begeisterungsfähigkeit für den Rap ihren Platz in der bunten Truppe musizierender Nonnen findet. Mark John Forbes überzeugt mit seiner humorvoll angehauchten Darstellung des "Monsignore O'Hara" und entlockt dem begeisterten Publikum mit seiner charmanten Darbietung immer wieder ein seliges Lächeln. Schauspielerisch souverän umzeichnet er den Charakter mit einem sprichwörtlichen Augenzwinkern und gewinnt so schnell die Sympathie des Publikums. Auch Susanne Rietz weiß den Enthusiasmus der Zuschauer mit ihrer herrlich schrägen Darstellung der gedanklich oftmals etwas abwesenden "Schwester Mary Nirvana" zu entfachen und dem Charakter eine liebenswürdige Eigenartigkeit zu verleihen, die den Humor der Show figural unterstreicht.
Alle Künstlerinnen und Künstler, die hier auf der Bühne stehen, strahlen über den gesamten Premierenabend hinweg eine bemerkenswerte spielerische Dynamik wie Spritzigkeit aus und hauchen den humorvollen Dialogen ebenso wie den schwungvollen Songs Lebendigkeit und Esprit ein. Entsprechend große Freude macht es, das Zusammenspiel der talentierten Cast zu verfolgen und sich gemeinsam auf eine herzerwärmende Reise zu begeben.
Die Produktion besticht sowohl durch ihre komödiantischen Akzentuierungen als auch durch die besondere Wärme und emotionale Kraft, die dieses Stück versprüht. "Sister Act" ist ein absolutes Wohlfühlmusical voller Raffinesse und Leichtigkeit, das jedoch auch die Tiefe zwischenmenschlicher Beziehungen abzubilden und den Zuschauer bei allem Frohsinn zugleich mit bewegenden Momenten zu konfrontieren vermag. Ein zentrales Medium, das diese Dualität und damit auch den Geist des Stücks transportiert, stellt sicherlich die Musik aus der Feder Alan Menkens dar, die als narratives Mittel des kurzweiligen Theaterspaßes dient. Die musikalische Linie bedient sich schwungvoller Popsongs ebenso wie choraler, teils im Gospelklang angehauchter Partituren und kraftvoller Soulnummern und spricht damit bereits auf akustischer Ebene eine Sprache der Lebendigkeit. Doch neben den eingängigen Tanzsongs finden sich auch berührende Balladen in dem musikalischen Potpourri und erlauben der Show ebenso, ihre intimen Momente zu offenbaren.
In strahlender Klangfarbe weben die Songs ein Netz seelenvoller Melodien, die sogleich zum Mitgrooven und -tanzen animieren und für eine musikalische Ausschüttung der Endorphine sorgen. Der versierten Band ist es zu verdanken, dass die musikalischen Arrangements von Vorstellungsbeginn an ihre volle Strahlkraft entfalten und ihre schwungvolle Energie entladen können. Einziges kleines Manko bleibt an diesem Abend die nicht hundeprozentig abgestimmte Tontechnik, die das akustische Erlebnis in einer noch nicht ausgewogenen Abmischung stellenweise beeinträchtigt, doch der hohen Qualität der Show kaum Abbruch tut. In einer wunderbaren Melange aus stimmlicher Fulminanz und instrumentaler Klangfülle erheben sich die Songs über den Saal und öffnen die Herzen des musikbegeisterten Publikums.
Das Bühnenbild der Tourproduktion überzeugt durch eine ebenso funktionale wie elegante Schlichtheit, die Raum für optische Akzente lässt und im Rahmen der spezifischen Möglichkeiten einer nicht fest an einem Spielort ansässigen Inszenierung geschickt das Fundament für die szenische Entfaltung der Geschichte legt. Ein bildlich an ein kirchliches Rosenfenster angelehnter Rundbogen dominiert die Mitte der Bühne und bildet das visuelle Kernelement ab, das sich durch das ausgeklügelte Lichtkonzept von Tim Mitchell farblich an die jeweilige Szenerie und Stimmung anpasst. Vor dem Hintergrund dieses beleuchteten Bogens vollziehen sich durch den Einsatz entsprechender Requisitenteile schnelle und fließend ablaufende Ortswechsel, die den Zuschauer von einem verruchten Nachtclub geradewegs in das geordnete Klosterleben voller Enthaltsamkeit und Bescheidenheit katapultieren. Diesen Kontrast spiegelt auch das passgenaue Kostümbild von Morgan Large wider, welches der schlichten Tracht der Nonnen funkelnde Kleidung voller Extravaganz entgegenstellt. Das Spiel mit der Gegensätzlichkeit von Simplizität und Exzentrik entpuppt sich über die gesamte Vorstellung hinweg als visuelles Element der Narration, das figurale Wandlungen betont und im großen Finale schließlich seinen Höhepunkt findet.
Das Musical "Sister Act" kann man nur als wahrhaft himmlisches Vergnügen beschreiben, das Herzen zum Tanzen bringt und auf unterhaltsame Weise dazu einlädt, das Band der Freundschaft und Nächstenliebe in all seiner farbigen Pracht zu feiern. Der Zuschauer erlebt an der Seite charakterstarker Bühnenpersönlichkeiten knapp drei Stunden pures Theatervergnügen, die wie im Flug vergehen und Lust auf eine sofortige Wiederholung machen. Am Ende des Premierenabends steht der gesamte Saal in bedingungsloser Anerkennung für diese grandiose Darbietung, die nicht zuletzt dank der phänomenalen Leistung einer spiel- wie stimmstarken Cast an Kontur gewinnt. Das Ensemble versteht es meisterhaft, die Menschlichkeit der Figuren in liebevoll durchdachten Rollenzeichnungen hervorzukitzeln und den Charakteren eine individuelle, ausdrucksstarke Persönlichkeit zu verleihen.
Unterhaltsam, bewegend und einfach herzerwärmend - die Produktion von "ShowSlot" konstituiert sich aus all jenen Dimensionen, die es braucht, um ein großes Theatererlebnis auf die Bühne zu bringen und das Publikum mit künstlerischer Leichtigkeit für einen Abend aus den Irrungen und Wirrungen des Alltags zu entführen. Ein Abstecher ins Kloster ist Pflicht, beschert er doch einen musikalischen Abend voller Glücksgefühle und Lebendigkeit und lehrt uns auf unterhaltsame Weise, dass man im Leben so manches schaffen kann, wenn man nur Vertrauen in die Kraft der Freundschaft und Liebe hat.
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